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Auszug aus dem Buch Die Fähre
Die Fähre hatte vorschriftsmäßig Tag und Nacht Dienst, so dass sich ein Familienmitglied nachts in dem hölzernen Fährpavillon an der Heiligenseer Anlegestelle aufhalten musste, um verspätete Gäste zu befördern. Ein Erwachsener hatte damals 10 Pfennig für die Überfahrt zu zahlen, ein Kind die Hälfte. Nach 1920 stieg das Entgelt mit der Geldentwertung an. Nach dem frühen Tod von Frau Reckin übernahm Carl Seiler gleich nach dem Ende der Inflation 1923 den Fährbetrieb mit eigenen Angestellten. Das Adressbuch von 1925 erwähnt den Fährmeister Schomann. 1925 ersetzte Seiler die beiden schwerfälligen Ruderkähne durch zwei Motorboote, von denen das eine von einem Außenbordmotor angetrieben wurde und 32 Personen befördern durfte, während das andere wegen seines schweren Einbaumotors nur für 16 Personen zugelassen war. Die "Tegel - Hermsdorfer Zeitung" schrieb 1929, dass Carl Seiler öffentlich belobigt worden sei, weil er im Laufe seiner Tätigkeit elf Menschen vor dem Ertrinken gerettet habe Nach dem Tode des kinderlosen Carl Seiler erwarb der Restaurateur Franz Lück, der schon einige Zeit das "Restaurant Fährhaus" als Pächter betrieben hatte, von der Erbengemeinschaft Seiler das Restaurant und die Fähre. Das Adressbuch von 1940 nennt den Fährmeister Semmler als den von ihm angestellten Fährmann. Bald aber betrieb Lück die Fähre wieder selbst. Noch kurz vor Kriegsende traf die Heiligenseer Fähre ein Unglück. Das von Franz Lück gesteuerte Fährboot war am 11. März 1945 stark überladen, weil statt der vorgeschriebenen Höchstzahl von 18 Fahrgästen etwa 27 dicht gedrängt saßen oder standen. Es waren großenteils Frauen, die sich in Nieder Neuendorf und Umgebung bei Bauern zusätzliche Lebensmittel besorgt hatten. Etwa 50 m vor der Anlegestelle in Heiligensee sackte das Fährboot - vermutlich verursacht durch die Heckwellen eines vorüberziehenden Frachtkahns - plötzlich weg und versank innerhalb weniger Sekunden. Etwa 12 bis 14 der in dicke Winterkleidung gehüllten Fahrgäste ertranken in dem eiskalten Wasser, wie Karl-Heinz Schreck im "Nord Berliner" vom 11. April 1985 berichtete. Förderkreis für Bildung, Kultur und
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