Ein Spaziergang zu einigen Tegeler Lokalitäten
Das erste Lokal, auf das die nach Tegel hinausfahrenden Berliner stießen, war der "Lindengarten". Er wurde 1874 von dem Restaurateur Fischer an der "Chaussee von Tegel nach Berlin" (heute: Berliner Straße 65) erbaut. Das Lokal lag damals noch recht einsam vor dem Dorfe, denn Borsig, das Gaswerk und die ersten Wohnhäuser wurden erst einige Jahrzehnte später erbaut. Es war noch ein richtiges Chausseegasthaus im alten Stil. Offene Hallen und Stallgebäude zum Unterstellen und Versorgen der Pferdegespanne gehörten selbstverständlich zum Service des Wirtes. Später erwarb Borsig das Gelände und beantragte den Abriss. Auf der rechten Seite der Berliner Straße (Nr. 102), zwischen Dalldorfer Weg (heute: Gorkistraße) und Bernstorffstraße, lag das Gasthaus ,,Zum Treffpunkt". Erbaut wurde es 1876 zunächst nur als Wohnhaus. 1892 beantragte Wilhelm DresseI, dem auch der Dampfer "Flora" gehörte, die Schankkonzession. 1914 erweiterte der Gastwirt Rasum das Lokal um einen kleinen Saal. Leider musste dieses hübsche, kleine Lokal mit seinen großen, schattenspendenden Bäumen im Vorgarten 1954 einem Geschäftshaus mit U-Bahneingang weichen. Nach ein paar Schritten erreichen wir eine Lokalität, die heute als "Romiosini" noch in Betrieb ist. Geführt wurde dieses Lokal früher auch unter den Namen "Hohenzollerneck", "Pafzenhofer Bier" und "Schultheiß Bierhallen". Jedem Tegeler war der Anblick dieses Lokals vertraut, denn die Normaluhr genau davor diente mehreren Generationen als Treffpunkt. Kaum weniger bekannt war der Wirt Gustav Gerlach. "Hundegustav", wie ihn der Volksmund wegen seines kleinen Hundes nannte, war so dick, dass er sich immer auf zwei Stühle setzen musste, wenn er vor seinem Lokal auf Gäste wartete. Im gleichen Haus, das 1906 mit reichen Stuckverzierungen erbaut wurde, eröffnete Mitte der zwanziger Jahre das "Café Hohenzollern".
Viele Tegeler erinnern sich noch an manche schöne Stunde, die sie in dem gemütlichen Tanzlokal von Peter Engels verbrachten. In der Schloßstraße 7/8, neben dem ehemaligen Straßenbahnhof, stand eines der ältesten Lokale mit Saalbau. Das 1862 erbaute "Gesellschaftshaus" musste sich damals großer Beliebtheit erfreut haben. Denn bereits 1877 wurde ein größerer Saal eingeweiht, und fünf Jahre später folgte der Bau einer Bühne im Lokal. Im Vereinssaal tagte die 1890 gegründete freiwillige Feuerwehr, und ein Jahr später wurde der Saal zur Tagungsstätte des aus der Feuerwehr hervorgegangenen Männerturnvereins von 1891. 1928 erwarb die Straßenbahnbetriebs-GmbH das Gebäude und ließ es abreißen.
Schloßstraße Nr. 23 (schräg gegenüber des ehemaligen Straßenbahnhofs) lässt auch heute noch eine ehemalige Gaststätte vermuten. Bis auf das Jahr 1860 geht die Geschichte des ursprünglich ebenerdigen Hauses zurück. Der erste Wirt war der "Alte Vogel". Er verkaufte neben dem Ausschank Kolonialwaren, besorgte für den Oberförster Seidel die Post und betreute den Steuermarkenverkauf. Seine Witwe ließ 1901 das Haus aufstocken Einige Jahre später wurde das Lokal noch einmal erweitert und unter dem Namen "Humboldt-Restaurant' geführt. Hier kehrten die Beschäftigten der Straßenbahn gerne zu einem Schoppen während einer Pause oder nach Feierabend ein. Der Weg führt uns nun wieder in das ursprüngliche Dorf Tegel. Auf dem 1843 erstmals bebauten Grundstück Hauptstraße 6 (heute: Alt-TegeI14/16) ließ sich 1861 der Gastwirt Johann Drewitz nieder. Er beantragte beim Landrat Scharnweber den Betrieb einer Schankstube. Nach einigen Um- und Anbauten und der Errichtung von 4 Kegelbahnen übernahm 1894 der ehemalige Verwalter des Gutes Tegel, August Ewest, das Lokal. Er baute das Restaurant grosszügig aus und eröffnete einen Saal für 700 Personen. In den folgenden Jahren wurde das Restaurant laufend modernisiert und ein Vereinszimmer eingerichtet. Mit dem Namen "Tegeler Vereinshaus" diente es dann bis in die 20er-Jahre vielen Vereinen als Tagungsstätte. 1929 baute der Besitzer des Lokals den Saal zu einem Kino um. In Anzeigen wurde die Bevölkerung aufgefordert, Namensvorschläge für das neue Kino einzusenden. Unter dem Namen "Kosmos" existierte das Kino dann bis ca. 1965. Neben dem Kino wurde die Gaststätte von Paul Hamuseck weiter betrieben.
Quelle: Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf e.V.


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