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Drei Mädel aus Tegel?

Drei Mädel aus Tegel?Leider sind die Namen der Kinder, die der Porträtfotograf auf diesem Bild festgehalten" hat, nicht überliefert. Doch es waren sicher Tegeler Mädchen, die im Atelier von Max Schulz in der Schöneberger Str. 71 (1936 umbenannt in Medebacher Weg) fotografiert wurden. Für die Aufnahme, die bestimmt mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden war, musste alles beachtet werden. Adrette und saubere Sonntagskleidung, die Haare noch einmal gut gekämmt, Körperhaltung und Blick vom Fotografen einstudiert. Und trotzdem muss der aufmerksame Betrachter feststellen, dass dem Fotografen wohl ein kleiner Lapsus unterlief: Ganz rechts im Bild sind noch eine Hand und ein Arm zu erkennen, ja fast nur zu deuten. Sicher war es die nahe schützende Hand der Mutter, dass auch ja nichts der Kleinsten widerfahren würde, die auf dem mit einem Fell belegten Stuhl thronte.

Das Foto, auf festen Karton aufgezogen, verweist auf den Fotografen Max Schulz in Firma Ed. Melzer Nachfolger. Es entstand etwa vor 100 Jahren. Ein "photografisches Atelier" von E. Melzer in der Schöneberger Str. 71 ist seit 1898 nachweisbar. Zuvor arbeitete Melzer in der Reinickendorfer Residenzstr. 40. Das Tegeler Atelier ging 1903 an einen Nachfolger über. Dies war sicher Max Schulz, der es um 1910 in die Berliner Str. 95 verlegte. 1912 wurde das Atelier von Nitsche & Beer geführt, während in der Schöneberger Str. 71 nun der Fotograf Franz Heyn arbeitete. 1915 boten in Tegel gleich drei Ateliers ihre Dienste an. Es waren in der Berliner Str. 95 jetzt Hugo Höhmann, in der Treskowstr. 2 Ernst Kunze und in der Schöneberger Str. 71 Unger & Sohn. Zum Ende des ersten Weltkrieges hin (1918) gab es nur noch das letztgenannte Atelier.

Ganz anders sah es 1921 in Tegel aus. Nun waren es bereits fünf Fotoateliers, die um Kunden warben. Unter der Anschrift Schöneberger Str. 71 ist jetzt neben Unger & Sohn noch August Pietzker zu nennen. In der Berliner Str. 95 arbeitete Max Bier. Zudem sind Richard Brodowsky in der Schloßstr. 23 und Max Lange in der Schlieperstr. 35 zu erwähnen. Der Verfasser dieser Zeilen ist überzeugt, dass noch viele Tegeler Familien ähnliche Familienfotos aufbewahren - oft in Schuhkartons verstaut. Sie wahren die Erinnerung an Vorfahren und spiegeln oft auch ein wenig die Geschichte von Porträtfotografen wider. Zum Schluss ein Tipp: Schreiben sie doch die Namen der abgebildeten Personen mit Bleistift auf die Rückseite des Fotos. Sie kennen die Namen, Ihre Enkelkinder später vielleicht nicht mehr.

Gerhard Völzmann
Mitglied des Förderkreises für Bildung, Kultur und
internationale Beziehungen Reinickendorf e.V.

 

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