Ludwig Brunow
geboren 3.7.1848, gestorben 11.6.1929
Ludwig Brunow wurde im Alter von 26 Jahren Amtsvorsteher in Tegel, als der Ort 1.200 Einwohner zählte. 1882 erfolgte die Ernennung zum ersten besoldeten Gemeindevorsteher. Während seiner Amtszeit entwickelte sich Tegel vom Dorf zu einem großstädtischen Gemeinwesen. 1881 wurde eine Pferdebahn nach Tegel gebaut. 1893 Eröffnung der Kremmener Bahn mit Bahnhof in Tegel. 1886 bekam Tegel ein eigenes Gaswerk. 1898 Bau eines Wasserwerks und die Einrichtung einer Kanalisation. Straßen wurden gepflastert und mit elektrischer Beleuchtung versehen. Als Brunow 1903 krankheitsbedingt seine Ämter aufgab, hatte Tegel etwa 9.000 Einwohner. Im Jahr der Eingemeindung in Berlin 1920 zählte Tegel etwa 20.000 Einwohner. Brunow wurde trotz seiner früheren Krankheit 81 Jahre alt.
Quelle: Tegel -Beiträge zur Großstadtwerdung eines Dorfes. 5. überarb. Aufl. Hrsg. Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen in Reinickendorf e.V.
Die Familie Veit
Wie viele seiner Zeitgenossen kam Johann Friedrich Veit nach Berlin, um sein Glück zu machen. Der Gemüsehandel, in dem er sich anfangs versuchte, schien ihm bald nicht mehr erfolgversprechend genug zu sein. Bessere Chancen bot die Gründung eines Fuhrgeschäftes. Das Startkapital dafür, Pferd und Wagen, hatte er aus seinem Heimatort Belzig mitgebracht. Die erste Geschäftsadresse des neuen Unternehmens, der Bauhof, wurde bald zu klein, und das Fuhrgeschäft Veit zog nach Moabit in die Werftstraße 18.
Der neue Standort brachte Glück, denn als die Lehrter Bahn 1867 ihren Güterbahnhof auf den Moabiter Spreewiesen anlegte, konnte Veit seinen Grund und Boden teuer an die Eisenbahngesellschaft verkaufen. Mit der Anlage seines erzielten Gewinnes ließ sich Veit lange Zeit. Das Spekulationsfieber der damaligen Jahre schien ihn nicht erfaßt zu haben. Nach einigem Abwägen entschied er sich schließlich für ein Angebot aus Tegel. Im Kaufvertrag vom 13. Juli 1872 hieß es dann unter anderem: "Der Fuhrwerksbesitzer Johann Friedrich Veit erwirbt von dem Bauer Johann Friedrich Wilkeschem Grundstück eine Parzelle von 5 Morgen und 30 Quadratruthen und vom dem Marzahnschen Grundstück zu Tegel eine Parzelle von 5 Morgen und 120 Quadratruthen und beabsichtigt, auf diesen Parzellen ein Wohnhaus und einen Stall zu bauen und somit eine Ansiedlung zu gründen." Kurze Zeit später kaufte Veit auch von der Kirche in Tegel ein größeres Grundstück. Er ließ das Gelände erschließen, und 1874 entstand so die Veitstraße.
Dann machte sich Veit daran, einen entscheidenden Mangel Tegels zu beseitigen. Die Verkehrsverbindung nach Berlin war noch sehr dürftig, denn der aufstrebende Ort war nur durch die Neuruppiner Pferdepost zu erreichen. Da beschlossen im Jahre 1875 die Grundbesitzer Veit, Ziekow, Marzahn und Müller, eine Omnibuslinie zum Wedding einzurichten. Bis zum Chausseehaus in der oberen Müllerstrasse reichte die Tegeler Strecke, denn von dort aus konnten die Fahrgäste in die "Große Berliner Pferdeeisenbahn" umsteigen und bis zur Weidendammer Brücke fahren. Den Betrieb übernahm Fuhrunternehmer Veit, der bereits am 25. August 1865 eine Omnibuslinie von der Stromstraße über das Neue Tor zum Lustgarten eröffnet hatte, die aber wegen einer neu eingerichteten Pferdebahnlinie eingestellt werden mußte. Die eingesparten drei Omnibuswagen setzte Veit vermutlich jetzt in Tegel ein. In der Veitstraße 1415 befanden sich die Stallungen des Unternehmens (heute stehen hier Wohnhäuser).
Gegenüber, auf dem Grundstück Veitstraße 17, errichtete der Sohn Johann Friedrich Veits, Fritz, ein Wohnhaus. Daneben entstand eine parkähnliche Anlage mit Treib- und Gewächshäusern, einem Teich mit Fontäne, einem Pavillon und einem Palmenhaus sowie einer Kegelbahn. Das Haus wurde um 1905 von Kommerzienrat Conrad Borsig erworben und umgebaut. Nach dem Ableben von Friedrich Veit (1889) und Fritz Veit (1897) sorgte seine, aus einer Hugenottenfamilie stammende Ehefrau Clara Veit für den weiteren Ausbau des Familienbesitzes. 1900 wurde das Landhaus in der Veitstraße 16 errichtet, das heute als Pfarrhaus der evangelischen Kirche dient.
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Der Zustand der Berliner Droschken war erbärmlich. Veit ärgerte dies, aber er sah darin auch eine gute Chance für sein Geschäft. 1870 führte er als erster eine Droschke I. Klasse ein. Zeitungsberichten zufolge soll sogar der Polizeipräsident eine Probefahrt mit diesem neuen, eleganten Gefährt unternommen haben. Droschken I. Klasse hatten bessere und schnellere Pferde und elegantere Wagen. Gekennzeichnet waren sie durch große weiße Laternen und weiße Nummern ohne Schild, während Droschken 2. Klasse blaue Laternen und schwarze Nummern auf weißem Feld führten. Veits Kutscher trugen einen blauen Rock mit silberner Kragenborte im Gegensatz zu den gelbgekleideten Kutschern der 2. Klasse. 1884 kostete eine etwa 15minütige Fahrt in den besseren Fahrzeugen eine Mark, in der 2. Klasse nur 60 Pfennige. Jeder Wagen hatte einen amtlichen Wegemesser und einen Stadtplan, auf dem die jeweilige Streckenlänge eingezeichnet war.
Quelle: Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf e.V.
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