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Aus der Heimatkunde

ZUM NAMEN TEGEL

Erfreut las ich in der Nummer 30 des "Nord-Berliner" vom 28.07.1972 die Abhandlung: "Forschungen um den Ortsnamen Tegel". Erfreuter war ich darüber, dass sie aus Krefeld kam. Herr A. Kieß schreibt von seinem Wohnort oder niederrheinischen Wohnort, nicht seiner Heimat. So nehme ich an, dass er dort an sich fremd ist. Er fand aber in jeder Gegend Ansatzpunkte, die ihn an einer Erklärung des Ortsnamens Tegel überlegen ließen. Es ist nicht zu ersehen, ob er alt oder jung ist. Ich nehme letzteres an. Man weiß auch nicht, welchem Berufe er angehört, doch redet er von einem kenntnisbeflissenen Schulrat i. R. Heckmanns, so dass ich zu dem Schlusse komme, dass er vielleicht dem Lehrerstande angehören könnte, wenngleich Tegeler Sandbodenkenntnisse andere Schlüsse zulassen. Von ersterem will ich ausgehen.

Er schreibt nun sehr überlegt: "Wissenschaft muss zweifeln, bis ihre Annahmen gesichert sind." Zum Schlusse bittet er, der Schriftleitung zu schreiben, wenn man zu der Erklärung unseres Ortsnamens etwas vorzutragen hat, gleichviel, ob zustimmend oder von anderer Auffassung her.
Als Nordberliner und Wanderleiter bei der Volkshochschule Reinickendorf habe ich mich immer wieder, auch schriftlich, mit diesem Thema befasst. Herr Kieß prüft die landschaftlichen Gegebenheiten. Er spricht von Wenden, von Deutschen. Wendische Funde barg man nur von Inseln des Tegeler Sees, aus dem heutigen Ortsbereich nur bronzezeitliches Gut. So nehme ich an, dass dieser zur Wendenzeit unbesiedelt war. Das trifft auch auf seine Nachbarschaft zu. Der Barnim weist mit 31 Prozent wendischer Ortsnamen die geringste Menge im alten Brandenburger Bereich auf. Gegen Tegel als Wendensitz spricht auch, dass es kein Fischerdorf war. Wäre es ein solches gewesen, hätte es schon vor dem großen Brande von 1835 einen Wasserzugang gehabt. Diesen hat man
aber, wegen der um seines Fehlens halber bei dem Feuer aufgetretenen Wassernot erst anschließend geschaffen. Herr Kieß findet auch, dass kein wendischer Wortstamm sich zur Deutung des Namens Tegel eignete. Daraus kann auch der deutsche Neubesiedlung des Ortes, wie Bildung seines Namens geschlossen werden.

Wie diese vor sich ging, lässt sich aus der Ortsform schließen. Mancher sah den Tegeler Ortskern als einen Rundling, slavischer Abstammung an. Ist dessen Abstammung heute als nicht slavisch erwiesen, so ist Tegel auch nicht ein solcher. Es tritt uns als ein ausgesprochenes Dreieck entgegen. Damit reiht es sich in eine Gruppe von Orten ein, die es ebenfalls aufzuweisen haben. Der nächste von diesen ist Schildow. Aha, sagt der Betrachter, also doch ein wendischer Ort. Zu solcher Behauptung ist Schildow ungeeignet, hieß es doch einstmals Schilde und nahm erst im 17. Jahrhundert als eine Modeform das scheinbar wendische "ow" an. Es zog hier mit Mehre gleich, das Mehrow wurde mit Lindow, Rhinow, Eichow, Fehröw, um andere zu nennen bei denen es unleugbar klar wird. Die Dreiecksdörfer haben eine bestimmte Heimat. Als jetzt deutsches Land wurden wir nach der Wendenzeit ein Siedlungsland. Da gilt es nun zu fragen, woher die deutschen Siedler kamen. Der Dreiecksdörfer Heimat war das rheinisch-niederländische Grenzgebiet. Das heißt also auch die Gegend rund um Krefeld. Deshalb ist die Zuschrift gerade von dort von so großem Wert. Dort gibt es auch Tegelnamen. An der Maas südöstlich von Venlo liegt ein Tegelen. Dass es bei Venlo, dem Sumpfwalde liegt, hat für uns auch seine Bedeutung, denn auch hier tritt der Name Ven-Fenn auf. Am See besitzen wir das Bollenfenn, bei Heiligensee ein weiteres Fenn. Diese vielen Fenne unserer Heimat waren eine einstige Morgengabe der rheinisch-brabantischen Siedler des Mittelalters für unsere Lande. Nun ist ja ein Tegelen bei Venla noch kein schlüssiger Beweis. Es reihen sich aber andere, wie Teglingen bei Meppen, der Stadt bei den großen ostfriesischen Fehnsiedlungen an. Nordwestlich von Cuxhaven findet sich in der Nordsee eine Tegeler Platte. So durchziehen Tegelnamen Norddeutschland und seine Nachbarschaft.

Bei dieser Tegeler Platte entsteht nun Zweifel an der Ziegeldeutung, da die erste schriftliche Nennung für uns tygel lautete, das man mit Ziegel erklärte. Diese Tegeler Platte weist nämlich nicht das geringste Ziegelähnliche nach Boden und Gewerbe in ihrer Nähe auf. So ist es auch bei uns. In solchem Falle hat man nach anderen Wegen zu suchen. Der Ort war in der Gegend fremd, also muss man in seine Herkunft zurückschauen. Es gibt, in dieser Richtung bemerkenswerte Beispiele. Eins ist Lübars mit seinem wendischen Namen. Er heißt = im Tiefen, liegt aber an der Höhe. Trotz, des wendischen Namens sind alle Flurnamen deutsch. Der Grund lag darin, dass am Fiehner Bruch ein wendisches Lübars lag, neben das ein Dorf siedelte, das sich nach dem wendischen als Großlübars nannte. Von ihm aus wurde unser Lübars deutsch, mit dem wendischen Herkunftsnamen angelegt.

Unsere Schreibung tygel ist mir dabei nicht maßgebend. Als ich im Jahre 1961 anlässlich der Tegeler 600 Jahrfeier zum Namen Tegel im "Nord-Berliner" Stellung nahm, schrieb ich zu dieser Form: "So überliefert ihn uns der Schreiber der Verhandlung, vom 12. Februar 1361. Diese Schreiber zogen mit ihren Herren von Ort zu Ort, da es damals noch keine festen Residenzen der Fürsten gab. So waren sie nur beschränkt ortskundig in einem Lande, das noch wenig Bildungseinrichtungen zu aufzuweisen hatte. Sie mussten genau auf den Mund der Leute schauen, auf deren einfachen Siedlerdialekt, um den Namen lautgetreu wiederzugeben, hatte sich doch kein allgemeiner märkischer Dialekt gebildet. Man sprach von Ort zu Ort weitgehend unterschiedlich, je nach dem Herkommen. Noch dazu beherrschten damals fremde Herren das Land, bayrische Markgrafen. Sie und ihre Beamten verstanden die vielen rheinischen Siedler nur schwer. Besonders schwer waren deren Kehllaute zu verstehen. So deutete man den Berliner Molkenmarkt später als den Ort des Verkaufes von Molkereiprodukten. Dabei hätte der Neue Markt auf die wahre Bedeutung verweisen können. Zu dem alten Markte hieß der Platz, oder rheinisch dialektisch to molken Markte, rheinischen Kehllauten gemäß. Auf gleiche Weise dürfte es zu dem y der alten Schreibung von tygel gekommen sein. Hält nun die Ziegelerklärung, wie bei der Tegeler Plate, nicht stand, so muss nach anderer Erklärung gesucht werden. Wir wissen ja, der Begriff Ton kann Erde, Klang oder Benehmen sein.

Hier nun könnte Herr Kieß in Krefeld, der alten Heimat der Tegeler, ansetzen. So wie bei Lübars der Aufschluß aus dem Fiehner Bruch kam, kann ihn im jetzigen Falle das Rheinland liefern. Er sollte, böte sich ihm die Möglichkeit, in rheinische Flurnamenforschung sehen und prüfen, wo er dort auf tegelähnliche Namen und in welcher Bedeutung stößt. Damit könnte er uns einen wahren Dienst leisten. Mögen ihm Ernten solcher Art beschieden sein, damit der Tag käme, an dem uns eine neue Abhandlung über den Namen Tegel und seine wahre Bedeutung erschöpfende Auskunft geben kann.

geschrieben von Buno Stephan
Nord-Berliner von 1972

Adelheidallee:
Nach der zweiten Tochter Wilhelm von Humboldts.
Bollestraße:
Dr. Bolle besaß und gestaltete die Insel Scharfenberg (1867 – 1900)
Brunowstraße:
Ludwig Brunow - Gemeindevorsteher von Tegel 1882 – 1903
Buddestraße:
Hermann Budde war 1902 – 1906 Minister für öffentliche Arbeiten
Campestraße:
Joachim Heinrich Campe war Hauslehrer, der Gebrüder Wilhelm und Alexander von Humboldt.
Dacherödenstraße:
Caroline von Dacheröden, Frau Wilhelm von Humboldts
Eisenhammerweg:
Hier errichtete Egells 1835 ein Eisenwerk, dass Eisenhammer genannt wurde.
Gabrielenstraße:
Nach der dritten Tochter Wilhelm von Humboldts, verheiratet mit Staatsminister von Bülow, später Besitzerin von Schloß Tegel.
Grußdorfstraße:
Förster des Reviers Tegelsee 1888--1911.
Havelmüllerweg:
Nach der Romantigur aus "Leberecht Hühnchen" von Heinrich Seidel
Holwedestraße:
Nach dem ersten Besitzer des Tegeler Schlosses
Karolinenstraße:
Nach der Gemahlin Wilhelm von Humboldts.
Marzahnstraße:
Nach dem letzten Wirt des Dorfkrugs Tegel
Namslaustraße:
Nach dem Landbesitzer, dem Berliner Stadtrat JuIius Namslau.
Oeserstraße:
Nach dem früheren Direktor der Gagfah, Fritz Oeser.
Riemerstraße:
Friedrich Wilhelm Riemer war Erzieher der Kinder Wilhelm von Humboldts (1774 bis 1845).
Schlieperstraße:
Bankier Schlieper aus Berlin kaufte und erschloss das Gelände 1874.
Seidelstraße:
Nach dem Oberförster Seidel in Tegel.
Treskowstraße:
Landrat des Kreises Niederbarnim.
Veitstraße:
Fuhrwerkbesitzer Veit aus Berlin kaufte und erschloss das Gelände an der Veitstraße 1874.
Wachstraße:
Maler Wilhelm Wach 1787 – 1845.
Wilkestraße:
Nach dem Bauern August Wilke.

 

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